Zentrifuge

Gerhard Richter orakelt mal wieder - (WAS GIBT UNS DIE MALEREI EIGENTLICH?):



Heute (18.05.10) war wieder Neues von "der grauen Eminenz" der Gegenwartskunst zu vernehmen. Gebe ihm diesmal fast uneingeschränkt Recht. Nur glaube ich nicht, dass ein Medium vollkommen durch ein anderes abgelöst werden kann/wird. Dennoch stellt sich die Frage:
WAS GIBT UNS DIE MALEREI EIGENTLICH? 
Doch zunächst mal Gerhard Richter: Richter malt den Teufel an die WandMalerei ist in der Dauerkrise

Gerhard Richter ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler. Sein Genre Malerei sieht er allerdings im Untergang. Sie befinde sich in einer Dauerkrise, sagt er.

Der Maler Gerhard Richter sieht die Malerei im Untergang. "Sie wird schon seit 100 Jahren zerschlagen", sagte der Künstler bei einer Begehung seiner Räume im Albertinum in Dresden. Neue Genres, angefangen von der Fotografie, hätten die Malerei verdrängt.

"Sie ist in der Dauerkrise seit Picasso, wird verdrängt, nicht mehr gebraucht und gelehrt", bedauerte der 78-Jährige. Irgendwann werde es die Kunst des Malens nicht mehr geben. Schon in den 1970er Jahren habe sich der Sinn für Qualität aufgelöst.

Beispiel sei die Biennale in Venedig 2011. Für die Gestaltung des deutschen Pavillons war Anfang Mai der Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief berufen worden. "Das ist ein Skandal. Die nehmen einen Performer, dabei haben wir tausende Künstler", kritisierte Richter, der neben Georg Baselitz und Sigmar Polke zu den bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstlern zählt.

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Antworten auf diese Diskussion

Gerhard Richter steckt den Bereich der Malerei mit Aussagen wie "die Kunst des Malens" und "Sinn für Qualität" in einer Weise ab, die suggeriert, dass er Qualität erkennt und als einer der wenigen Letzten richtig malen kann. - Künstlersein bedeutet eben auch andere von sich überzeugen zu können.

Der Rest des Artikels und die Headline sind unbedeutend!
Solche Zuspitzungen haben etwas Erhellendes, sind m.E. aber nur wenig aufklärend. Ein Sinn für Qualität ist tatsächlich nur noch schwer auszumachen angesichts der exponentiell wachsenden Vielfalt künstlerischer Stile und Mittel. Die Komplexität und Unüberschaubarkeit der Gegenwart spiegelt sich nun mal auch und gerade in der Kunst wider. Der Anspruch an die Kunst - eben Qualität zu liefern (was diese auch immer ausmache) - bleibt aber bestehen. Keine leichte, vielleicht auch unlösbare Aufgabe. Die Malerei wird in der Kunst weiterhin eine Rolle spielen, aber wohl auf absehbare Zeit keine zentrale, da sie stumm ist. Die Gattungen und Stile erleben nicht seit Neuestem einen Transformationsprozess - ob dies irgendwann wieder zu klaren Trennungen und Unterscheidungen führt oder ob dabei neue Kunstformen entstehen, ist offen. Möglich ist beides vielleicht sogar gleichzeitig und verstehen lässt sich das nur bedingt. Ästhetische Urteilskraft ist eben mehr eine Frage des Charakters als des Verstandes. Sag mir, welche Kunst du machst/magst/bevorzugst und ich sage dir wer du bist: Eher ein naives, schlichtes und entspanntes Gemüt, eher kompromisslos oder moderat, optimistisch oder pessimistisch, reflexiv angespannt, aggressiv oder defensiv oder oder (und meistens eine Mischung aus alledem). Kunst ist die Einheit oder eben die Zersplitterung von Denken, Fühlen und Handeln - auf möglichst ausgereifter Stufe - maximale Freiheit bei maximaler Getriebenheit bei maximaler Ausdruckskraft bei maximaler Explikation bei maximaler Einfachheit. Kunst als lustvolles Leiden an der Unzulänglichkeit perfektionistischer Allüren. Kunst ist riskant.
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@ Susanne: Gerhard Richter ist ja wohl ein Künstler der überzeugt b.z.w. überzeugen kann mit seinem Werk.
Es ist vollkommen klar, dass er nur seinen Qualitätsbegriff vertreten kann. Meines Erachtens bedeutet Künstler sein nicht nur andere überzeugen zu wollen, sondern Werte zu vertreten und mit diesen, oder dieser Haltung Andere überzeugen zu können. Mit Werten meine ich auch Dinge wie künstlerisch
(-ästhetische) Qualitätsvorstellungen.

Mir fiel bei dem Artikel eher diese Aussage auf: "Sie (Malerei)...wird ... nicht mehr ... gelehrt".- Das sehe ich zum großen Teil auch so. -Halte dies jedoch für ein Generationsproblem, der grösste Teil der praktizierenden Kunstprofessoren entstammt eines Kunstklimas welches ständig um die Neuerfindung der Kunst kreiste und dabei doch in gewisser Wiese (auch?-) auf der Stelle trat. Dabei wurde sehr sehr viel Hoffnung in die "Neuerung" der Medien gelegt. Alte Medien wie Bildhauerei oder Malerei wurden so immer wieder als verstaubt angesehen. Erstaunlicher Weise beobachtet man jedoch bei einer jüngeren Generation Künstlern wie Kunststudenten wieder ein reges Interesse an der Malerei. Wenn diese Generation Künstler die Lehrstühle besetzt wird Malerei gewiss wieder gelehrt und vielleicht wird dann das Interesse wieder abflauen? - Eine Wellenbewegung?

Deshalb auch die Frage: WAS GIBT UNS DIE MALEREI EIGENTLICH?


@Michael: Die Malerei würde abgelöst von anderen bilderzeugenden Medien ist so ähnlich wie die Behauptung: der Anrufbeantworter sei oder wird ab gelöst durch das Mobiltelefon. -Der Anrufbeantworter verliert "nur" an Bedeutung oder wandert in das Mobiltelefon. -Ich gebe Dir da Vollkommen Recht.

Doch und gerade auch hier die Frage: WAS GIBT UNS DIE MALEREI EIGENTLICH?



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Rubin Hirschbeck hat eine wirklich interessante Frage in den Ring geworfen. Interessant auch deshalb, weil sie – was sicher allen klar ist – nicht wirklich neu, aber eben nach wie vor hochaktuell ist. Entsprechend ernsthaft sind die bisherigen Diskussionsbeiträge zu dieser Frage in diesem Forum (erfahrungsgemäß nicht unbedingt selbstverständlich!). Meine Überlegungen zu Rubin Hirschbecks Thema machen die Sache noch komplizierter (leider typisch für mich, sorry!).
Ich denke nämlich dass es unerlässlich ist, die Frage vorzuschalten „Was muss ich tun, damit ich die eingangs gestellte Frage für mich beantworten kann?“
Ganz klar: Die Antwort wird im Detail von unübersehbarer Fülle sein. Die große Überschrift aber wird lauten „Ständige Arbeit an meinem Selbstverständnis“(Ich meine nicht „Selbsterkenntnis“). Und da geht es nicht nur um meine Arbeit als Maler oder meine Biografie oder meine soziale Belange und Gegebenheiten oder die Hinwendung zu meinen engen menschlichen Beziehungsfeldern oder Einstellungen zur geschichtlichen Entwicklungen, Kunstgeschichte usw. Vielmehr müsste man alles als komplexes Gefüge verstehen lernen, aus dem kein Mosaikstein fallen darf – aber wer kriegt das schon hin!! Ich denke, es ist schon viel getan, wenn ich diese ganzheitliche Perspektive einzunehmen versuche, auch ohne geistigen Überflieger-Erfolg. Heroische Sätze wie „Ich lebe nur der Malerei“ werden auf mich nicht den überwältigenden Eindruck haben, den sie bezwecken. Vielmehr kann ich dann fragen, im Bewusstsein, dass es nie nur um die Malerei alleine geht: „Was gibt mir die Malerei eigentlich?“

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